Der Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege wurde vergeben

Der Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege wurde vergeben

Riesenfreude an der Wassermühle Karoxbostel: Der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur Björn Thümler hat die Urkunden des Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege an Handwerker verliehen, die an der Restaurierung der Wassermühle mitgearbeitet haben. “Zweimal mussten wir die Verleihung auf Grund der Corona-Pandemie verschieben. Wir sind sehr glücklich, dass es nun geklappt hat”, sagte die Mühlenvereinsvorsitzende Emily Weede zu Beginn der Feierstunde in der historischen Tenne des Haupthauses von 1817. 

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz haben der Wassermühle Karoxbostel sowie den beteiligten Handwerksfirmen und Handwerkern den Sonderpreis des Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege, den “Wolfgang und Ursula Engelbarts Förderpreis”, für die herausragende Qualität der denkmalgerechten handwerklichen Leistungen bei der Restaurierung des Denkmal-Ensembles Wassermühle Karoxbostel verliehen.
Dieser liebenswerte Ort vermittelt ein Stück Heimat. Hier lebt noch die traditionelle Handwerkskunst“, lobte Minister Björn Thümler in seiner Rede. „Denkmalpflege ist mit Auflagen verbunden. Wir wollen damit Kulturgut erhalten und die Menschen nicht ärgern. Viele junge Leute wissen heute nicht mehr, dass eine Sägemühle früher mit Wasser angetrieben wurde. In Karoxbostel können sie das erleben. Bei einem Besuch spürt man, mit wie viel Sachverstand und Spaß alle dabei sind. Mit einem großen Netzwerk und einer gehörigen Portion Nachdruck hat die Vereinsvorsitzende Emily Weede gemeinsam mit den Mühlenrettern dafür gesorgt, dass hier ein lebendiger Ort der Begegnung entstanden ist.” 
 
Landrat Rainer Rempe bezeichnete die Leistung der Handwerker als großen Lichtblick. Das Karoxbosteler Mühlen-Ensemble habe sich inzwischen als einzigartiger Standort in Sachen Wirtschaft und Kultur im Landkreis Harburg positioniert. “Ich freue mich ganz besonders, dass mit diesem Preis ausdrücklich auch die beteiligten Handwerker für ihre herausragende Arbeit bei der denkmalschutzgerechten Instandsetzung der Gebäude ausgezeichnet werden. Die Handwerksbetriebe in der Region sind nicht ohne Grund Rückgrat und Motor der wirtschaftlichen Entwicklung im Landkreis und leisten einen zentralen und wertvollen Beitrag für das Wachstum in unserer Region,“ betonte der Landrat in seinem Grußwort während der Feierstunde.
Dem Karoxbosteler Mühlen-Vorstand war es von Anfang an wichtig, ortsansässige Handwerksbetriebe für die Restaurierung zu gewinnen. “Die Betriebe und die Handwerker haben sich in einer unglaublichen Weise engagiert! Sie haben die alten Handwerkstechniken in großartiger Weise ausgeführt und das, obwohl nur die Restauratorin im Handwerk Sabine Pfanne-Dreesen, der Mühlenbaubetrieb Pätzmann, die Reetdachdeckerei Behr und die Kunstschmiede Egon Engber Erfahrung mit der Restaurierung denkmalgeschützter Gebäude hatten”, erklärte die Vereinsvorsitzende Emily Weede. “Manchmal haben wir fast Unmögliches von den Betrieben verlangt. Beispielsweise musste unser Zimmerermeister Andreas Brauel das Angebot für das gesamte Mühlengebäude schreiben, ohne das oberste Stockwerk betreten zu können. Nicht nur die Restaurierung ist perfekt gelungen – sogar das Angebot stimmte bis auf 60 Euro genau.” Auch der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Seevetal Norbert Fraederich freut sich über den Bundespreis: „Die Auszeichnung mit dem Sonderpreis des Bundespreises des Handwerks in der Denkmalpflege ist eine ganz herausragende Belohnung des Engagements der Mühlenretter. Hier in Karoxbostel gibt es wirklich Wunder am laufenden Band. Ich habe als Gründungsmitglied den Wiederaufbau von Anfang an miterlebt und kann ermessen, welche enorme,fachkundige Arbeitsleistung hier erbracht worden ist.” 
Beim anschließenden Rundgang durch das Denkmal-Ensemle würdigte der Bundestagsabgeordnete Michael Grosse-Brömer (CDU) aus Brackel den Verein und seine Handwerker. Dass die Anlage heute wieder in diesem Glanz erscheint, sei der Vereinsvorsitzenden Emily Weede und „ihren“ mittlerweile rund 1.200 engagierten Vereinsmitgliedern zu verdanken: “Die Vereinsmitglieder haben nicht nur in unzähligen Stunden selbst Hand angelegt, sondern mit ihren regionalen Netzwerken auch dazu beigetragen, dass über 20 örtliche Handwerksbetriebe am, im und um das Objekt herum tätig geworden sind.” Die Leiterin der Berufsbildenen Schulen Buchholz Kira Buchmann ergänzte: “In Karoxbostel wird auch die Förderung der jungen Handwerker nicht vergessen. Unser gemeinsames Projekt des Aufbaus einer kleinen Hofschmiede war für die Auszubildenen sehr wichtig. Ich bin gespannt auf die kommenden gemeinsamen Projekte.” 
Kaum jemand hätte zu Beginn des Projekts Wassermühle Karoxbostel 2012 damit gerechnet, dass aus dem fast zu Ruinen verfallenen Denkmal-Ensemble tatsächlich ein lebendiger Ort der Begegnung und ein außerschulischer Lernstandort in einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) werden würde. “Damals mussten die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten  schnell beginnen, um einen Total-Verlust des Ensemble zu verhindern”, erinnert sich Emily Weede. Das Denkmal-Ensemble sollte nach Abschluss der Restaurierung voll nutzbar sein, trotzdem verfolgte der Verein Wassermühle Karoxbostel e.V. von Beginn an ein museales Konzept. Dabei ist eine größtmögliche Authentizität der Gebäude  erhalten worden. Aber nicht nur das Wecken der Begeisterung für Denkmalschutz und Pflege bei den Handwerksbetrieben der Region hatte das Projekt Wassermühle zum Ziel: Auch die ehrenamtlichen Helfer wurden von der Restauratorin im Handwerk Sabine Pfanne-Dreesen, dem  ehemaligen Denkmalpfleger des Landkreises Wolfgang Küchenmeister und dem Oberkonservator des Landesamtes für Denkmalpflege Dr. Klaus Püttmann bei den einzelnen Sanierungsschritten unterstützt.  Unverzichtbar bei der Wiederherstellung und der Instandsetzung der Mühlen- und der Sägerei-Technik waren die Kenntnisse des erfahrenen Müllermeisters Franz Rosenkranz und des erfahrenen Schlossermeisters Rolf Nagel. Mittlerweile sind an der Wassermühle Karoxbostel 29 freiwillige Müller ausgebildet worden, die eine Prüfung vor einer Kommission der Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen ablegen mussten. Das erworbene Zertifikat ist Voraussetzung für den fachgerechten Betrieb und die Wartung der historischen Maschinen und der gesamten Anlage. 2019 wurden zudem 21 freiwillige Sägemüller ausgebildet. Der Bundespreis des Handwerks in der Denkmalpflege ist nach dem Landespreis für Denkmalpflege der Niedersächsischen Sparkassenstiftung 2017 und dem Deutschen Preis für Denkmalschutz 2018 der dritte bundesweit bedeutende Preis für das Denkmal-Ensemble Wassermühle Karoxbostel.